Die Qual der Wahl...

Karl Goschescheck © NEL
Am kommenden 22. April und 6. Mai soll in unserem westlichen Nachbarstaat Frankreich ein neues Staatsoberhaupt gewählt werden.

Diese Wahl sollte uns zwar eigentlich nicht mehr angehen, als eine in irgendeinem anderen Nachbarstaat, jedoch dadurch, daß wir zwar illegitim aber immerhin praktisch vorläufig dem französischen Staat gehören, d.h. wir derzeit von der französischen Regierung weitgehend regiert werden und wir auch das aktive Wahlrecht für diese Wahl ausüben dürfen, ist es für uns elsaß-lothringische Staatsbürger eine moralische Pflicht sich mit dieser französischen Wahl auseinanderzusetzen.

Somit ist es zwar für uns alle legitim und recht zu sagen: „Wir sind keine Franzosen und sind französische Staatsbürger gegen unseren Willen und nehmen daher an dieser rein französischen Wahl nicht teil“, aber andererseits können wir vielleicht auch durch die Stimmenabgabe zugunsten eines Kandidaten etwas für Elsaß-Lothringen guttun.

Wenn es zum Beispiel einen korsisch-nationa-len oder einen bretonisch-nationalen Kandidaten gäbe, der die Belange der französisch besetzten Völker artikulieren würde, wäre dieser Kandidat selbstverständlich zu unterstützen — sei er ideologisch eher rechts oder eher links positioniert —. Einen solchen Kandidaten gibt es aber nicht.

Einen französischen Kandidaten, der wirklich offen gegenüber den allogenen Völkern stünde, gibt es unseres Wissens auch nicht...

Von den Kandidaten gibt es vier, die es u.U. schaffen könnten, am 6. Mai gewählt zu werden. Es sind der derzeitige Amtsinhaber Nicolas Sárközy von der französisch-nationalen neo-gaullistischen UMP, der SP-Kandidat François Hollande, die bretonischstämmige französische Nationalistin Marine Le Pen — Tochter von Jean-Marie Le Pen — und der bearnesische Zentrumpolitiker Francesc Bayrou. Alle anderen haben praktisch keine Chancen.

Wer Sárkózy wählt, spricht sich für die Weiterführung der heutigen Politik. Wenn wir mit der Politik der derzeitigen französischen Regierung einverstanden wären, wäre die es bekannt. Es gibt nur wenig Punkte derer, mit de-nen wir übereinstimmen können. Eine Wahlempfehlung für Nicolas Sárközy, Kandidat der Jakobiner, der internationalen Hochfinanz und der massiven Einwanderung, ist selbstverständlich am 1. Wahlgang ausgeschlossen!

Der Sozialist Hollande steht für noch mehr Einwanderung und ist auch ein Kandidat der internationalen Hochfinanz. Er hat jedoch versprochen, die Europäische Charta für Minderheitensprachen ratifizieren zu lassen.

Die Nationalistin Le Pen ist die einzige, die sich mit den katastrophalen Konsequenzen der massiven Einwanderung ernsthaft und ehrlich auseinandersetzt. Leider ist sie äußerst jakobinisch eingestellt und hat für die allogenen Völker — auch für die Bretonen — nicht viel übrig... Wenn dies anders wäre, würde sie sich auch nicht Marine Le Pen sondern konsequent bretonisch Marina Ar Penn nennen...

Der Zentrist Bayrou ist ein ehrlicher Christdemokrat, der für die Ratifizierung der Charta für Minderheitensprache wahrscheinlich offen wäre und sich vielleicht seine Politik weniger als Sárközy oder Hollande von der internationalen Hochfinanz diktieren ließe.

Die beiden größten Probleme für die Zukunft Elsaß-Lothringens sind die Masseneinwanderung und der massive Verlust der einheimischen deutschen Identität: während letzteres großteils ein selbst verschuldetes Problem ist, das nur von jedem einzelnen für sich selbst zu lösen ist, stellt die Einwanderungsfrage eine existentielle Drohung für ganz Europa dar. Diese Frage muß somit für uns absolute Priorität haben.

Dkfm. Karl Goschescheck
Landesobmann
15. April 2012